Kremayr & Scheriau PDF

Kaufen statt schließen - Artikel aus Der Tagesspiegel, Berlin

[...] Soweit ist man bei Kremayr & Scheriau, einem Verlag für Austriaca, Sachbücher zur österreichischen Zeitgeschichte, Biografien und Krimis, noch nicht. 1996 ging der Wiener Verlag, zu dem der Orac Sachbuchverlag und die Buchgemeinschaft Donauland gehört, in den Besitz von Bertelsmann über. Miteigentümer Martin Scheriau (25 Prozent) wollte die drohende Schließung verhindern und übernahm im November für 50000 Euro die Konzern-Anteile an dem von seinem Vater mitgegründeten Verlag; Donauland verbleibt bei Bertelsmann. Scheriau macht sich keine Illusionen über die Renditen im Verlagswesen. „Ich will nicht reich werden. Ich möchte schöne und politische Bücher machen und mich nicht für irgendwelche Titel genieren müssen.“ Als Verleger und Mitgesellschafter holte sich Martin Scheriau Leo Mazakarini zurück. Mazakarini ist Filmschauspieler, Romanautor, war Cheflektor und Verleger bei Böhlau und ab 1990 Verleger bei Kremayr & Scheriau. Bei Bertelsmann hatte er wie Monika Thaler freie Hand, verließ das Haus jedoch 2000, als nach dem Kauf von Random House die Buchverlage von New York aus geleitet wurden und es zu „Entscheidungsgeschiebe“ kam. „Ich habe dann einen Roman geschrieben über einen großen Konzern in einem kleinen Land, der leider nicht fertig geworden ist“, erzählt der 66-Jährige.

Das erste Programm wird im Herbst erscheinen, 20 Titel sollen die fünf Angestellten jährlich produzieren. Mazakarini setzt auf traditionelle verlegerische Werte wie Qualität, regionale Orientierung, und er will Bücher lange lieferbar halten. „Die Giganten machen sich selbst fragwürdig. Ich habe einmal den befreundeten Chef eines internationalen Unternehmens gefragt, wie er den Betrieb führt. Er sagte: Ich sitze auf einem großen Elefanten und bilde mir ein, ich führe ihn.“

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 09. Juli 2009 um 17:17 Uhr
 
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